Mit der Schule die Biodiversität fördern

Auf der Erde gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Lebewesen – viele davon direkt auf dem Schulhausareal: Wer krabbelt, pfeift oder blüht denn da? Warum ist Biodiversität so wichtig für unser Leben? Und wie können wir sie aktiv fördern? Mit unserem Verhalten haben wir einen grossen Einfluss auf die Vielfalt – für die Biodiversität zu sensibilisieren ist deshalb eine wichtige Aufgabe im NMG- und NT-Unterricht sowie Teil der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE). 

Neben der Vielfalt an Arten ist auch die Vielfalt der Lebensräume Teil der Biodiversität. Wer Ökosysteme wie Magerwiesen, Laubmischwälder, Weiher, Moore, Hecken oder auch Gärten auf die Artenvielfalt untersucht, kommt auch den Wechselwirkungen in und zwischen den Systemen auf die Spur. Der Einblick in die ausgeklügelten Mechanismen und Gleichgewichts-Bestrebungen der Natur faszinieren und lassen staunen. 

Vielfalt in Gefahr

Die Biodiversität ist in der Schweiz nicht in einem zufriedenstellenden Zustand und nimmt weiter ab. Ein Drittel aller Arten und die Hälfte aller Lebensraumtypen sind gefährdet. Lebensräume verarmen, werden zerschnitten oder zerstört, ein Zuviel an Dünger und Pestiziden bedrohen Tier- und Pflanzenarten, Hindernisse wie Zäune, Mauern und Verkehrsinfrastruktur hindern Tiere an ihren Wanderungen, die wichtig für den Gen-Austausch sind. Die Vernetzung der Lebensräume und Ökosysteme beispielsweise durch Hecken (sog. Trittsteine) oder durch Wildtierkorridore, ist deshalb eine von vielen Massnahmen für die Biodiversitätsförderung und den Arterhalt.

Vielfältige Schulumgebung für den Unterricht

In der Schulumgebung können Blütenpflanzen an unterschiedlichsten Standorten entdeckt und untersucht werden: In Hecken, in Rabatten, am Rand des Rasens, ja selbst in aufgebrochenem Asphalt. Die Schulumgebung lädt Schüler:innen dazu ein, Früchte und Samen zu sammeln, sie zu untersuchen und nach verschiedenen Merkmalen zu ordnen. Mit verschiedenen Flugsamen kann geforscht werden, wie Samen fliegen. Auch Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer, Ameisen und weitere Insekten kommen in grosser Zahl und vielfältigen Formen auf dem Schulareal vor. Insbesondere naturnah gestaltete Schulumgebungen eignen sich bestens, um Biodiversität ausserhalb des Klassenzimmers in den Unterricht einzubeziehen. 

Sie haben noch kein naturnahes Schulareal? 
Gerne beraten wir Sie dazu. Oder packen Sie es mit der Schule gleich selbst an: Projektwochen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung eignen sich bestens dafür! www.naturama.ch/aussenraum.

Vielfältiger Schulgarten

Schulgärten sind einzigartige Lernorte. Hier erwerben Schülerinnen und Schüler ein vertieftes Verständnis für ihre eigenen Lebensgrundlagen und erwerben durch Zusammenarbeit und Mitbestimmung wichtige (über-)fachliche Kompetenzen. 

Die Schüler:innen haben die Möglichkeit, unmittelbar zu erleben, woher ein grosser Teil ihres Essens (Gemüse, Obst, Getreide) kommt und wie Ökosysteme und Kreisläufe (z.B. Wasser, Kompost) funktionieren. Das Anpflanzen von unterschiedlichsten Pflanzenarten und Sorten (mit breiter Farb- und Formenpalette, nicht wie im gängigen Supermarkt) thematisiert auch die Wichtigkeit einer genetischen Vielfalt. Zudem lernen sie hier Verantwortung für Tiere, Pflanzen und die natürliche Umwelt zu übernehmen.

Vielfältiges Siedlungsgebiet

Städte und Dörfer bieten oft überraschend vielfältige, vernetzte Ökosysteme mit Parkanlagen, Gärten mit alten Bäumen, Hecken, Brachflächen, bunten Balkonen und begrünte Fassaden oder Dachterrassen, aber auch Mauern, Türme, Bäche und Weiher. Diese Lebensräume bieten ideale Bedingungen und Nahrung für Insekten, Vögel (wie Spechte, Mauersegler und Spatzen), Säugetiere wie Fledermäuse, Igel, Eichhörnchen, Mäuse, Füchse, aber auch Eidechsen – mitten unter uns. Die Biodiversität ist deshalb im Siedlungsraum vergleichsweise hoch. 

Auf einer Exkursion mit der Klasse durch die Gemeinde lassen sich nicht nur die Lebensräume erkunden, sondern auch deren Wechselwirkungen. Wer vernetztes Denken im Kleinen übt, entwickelt ein Auge für die grossen Zusammenhänge. Zudem ist die Gemeinde eine geeignete Ebene, um Biodiversitätsförderung mit den Schüler:innen anzupacken: Ob Kleinstrukturen für Igel bauen, Sträucher pflanzen oder eine Fledermaus-Exkursion organisieren – wir unterstützen Sie mit weiteren Ideen und beraten gerne. www.naturama.ch/schulen  

Woher unsere Nahrung kommt

Die Art, wie Nahrungsmittel produziert werden, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Biodiversität. Es macht beispielsweise einen grossen Unterschied für die Artenvielfalt, ob Äpfel aus einem Niederstamm-Obstgarten stammen oder von Hochstamm-Bäumen. Wiesen mit Hochstammbäumen bieten vielen Vögeln, Insekten, Kleinsäugetieren und Blumen einen Lebensraum. Ob Pestizide eingesetzt oder Schädlinge durch Nützlinge in Schach gehalten werden, beeinflusst das Insektensterben direkt. 

Die Sensibilisierung von Kindern für die Produktion, Herkunft von Lebensmitteln und den achtsamen Umgang damit (Stichwort Food Waste) sind eng mit der Biodiversitätsfrage verknüpft. An ausserschulischen Lernorten bieten sich zahllose Möglichkeiten, dieses Thema mit der Klasse praxisnah zu erkunden und selbst aktiv zu werden.